Was ist Rehoming?

In unserem Rehoming-Programm schaffen wir seit vielen Jahren Farbratten die Möglichkeit, Einrichtungen in denen Tierversuche stattfinden, zu verlassen. Diese Tiere werden von uns übernommen und wir gewöhnen die entlassenen Tiere sanft und schrittweise an die Gegebenheiten außerhalb des Labors. Anschließend suchen wir für sie liebevolle Zuhause in tiergerechter Haltung.

Die „Laboris“

Die meisten unserer „Laboris“ sind Albinos: Sie haben rote Augen und weißes Fell. Manchmal dürfen auch farbige Ratten das Labor verlassen – die gängigsten Laborstämme sind allerdings die Albinos.

An unseren Laboris wurden keine invasiven Versuche durchgenommen, sie sind nicht krank oder verstört, sondern ganz normale Farbratten. Diese freuen sich über Zuwendung und Menschenkontakt, erkunden neugierig das Leben außerhalb des Labors und schon bald spielerisch ihre neue, vergrößerte Welt.

Meistens dürfen Tiere das Labor verlassen, welche in Verhaltensstudien eingesetzt wurden oder an denen das „Handling“ – also das Anfassen und Hochheben geübt wurde. Auch sogenannte Überschusstiere, also Ratten welche dann doch nicht für Versuche benötigt wurden, dürfen entlassen werden. Kranke, verletzte oder verstörte Tiere dürfen von Seiten des Gesetzgebers nicht aus den Laboren entlassen werden.

Unsere Laboris können, sobald sie sich an das Leben außerhalb des Labors gewöhnt haben, ganz normal in ein Rattenrudel, zu „normalen“ Farbratten integriert werden.


Warum werden Ratten besonders häufig in Tierversuchen eingesetzt?

Farbratten sind eine häufig verwendete Tierart in Laborexperimenten, da sie verschiedene Eigenschaften aufweisen, die sie für diese Art der Forschung besonders geeignet machen:

  • Genetische Nähe zum Menschen
    Farbratten weisen eine genetische Ähnlichkeit zum Menschen auf, die ermöglicht, Erkenntnisse über biologische Prozesse zu gewinnen, die auch für den Menschen relevant sind. Somit ist eine Übertragbarkeit von Forschungsergebnissen auf den Menschen in manchen Fällen möglich.
  • Schnelle Fortpflanzungsrate
    Farbratten haben eine kurze Generationszeit und können sich schnell vermehren. Dies ermöglicht es, große Populationen für Studien zu erhalten und genetische Unterschiede zu untersuchen.
  • Verfügbarkeit und Standardisierung
    Die Zucht und Haltung von Farbratten im Laborkontext ist gut etabliert. Dies erleichtert die Standardisierung von Experimenten und die Vergleichbarkeit von Ergebnissen zwischen verschiedenen Studien. Es gibt hierfür eine breite Auswahl an verschiedenen Laborstämmen, die auf spezielle Anforderungen gezüchtet wurden.
  • Anpassungsfähigkeit
    Farbratten sind in der Lage, sich an die spezifischen Bedingungen einer Laborumgebung anzupassen bzw. diese zu erdulden, ohne zu erkranken oder Verhaltensstörungen zu entwickeln. In der Laborumgebung werden sie in einer kontrollierten und reizarmen Umgebung gehalten. Ihr Bewegungsradius sowie ihr Handlungsspielraum sind begrenzt. Diese und viele weitere Bedingungen unterscheiden sich so stark von denen ihres natürlichen Lebensraums, dass die Labortiere in der Lage sein müssen, sich entsprechend anzupassen, um die Validität und Reproduzierbarkeit von Experimenten sicherzustellen.
  • Vielseitigkeit
    Farbratten können in einer Vielzahl von Forschungsbereichen eingesetzt werden, einschließlich Toxikologie, Pharmakologie, Neurologie und Verhaltensforschung und sind somit echte ‚Allrounder‘ in vielen Bereichen der Forschung.
  • Aufgeschlossenheit
    Farbratten sind dem Menschen sehr zugetan. Ihre Neugierde, ihr freundliches Gemüt und ihre Intelligenz machen sie nicht nur zu wunderbaren Haustieren, sondern bieten auch in der Forschung den Vorteil, dass der Umgang mit ihnen problemlos möglich ist.

Der ethische Aspekt von Tierversuchen

Trotz ihrer Rolle in der Forschung und dem potenziellen Nutzen für die Wissenschaft, gibt es kontroverse Diskussionen über die Verwendung von Lebewesen in Tierversuchen. Befürwortende argumentieren, dass Tierversuche wesentliche Erkenntnisse liefern würden, die unter Anderem zur Verbesserung der menschlichen Gesundheit beitrügen. Hingegen sprechen ethische Bedenken aufgrund der nicht tiergerechten Haltung, des Tierleids und der Vielzahl an Tötungen, sowie die hohe Anzahl nicht übertragbarer Ergebnisse vom Tier auf den Menschen gegen Tierversuche.


Alternative Methoden

Forschende sind deshalb bestrebt, alternative Methoden zu entwickeln, die den Einsatz von Tieren reduzieren, ohne die Qualität der Forschung zu beeinträchtigen. Eine Alternative zu Tierversuchen, insbesondere in der Medikamentenentwicklung, sind sog. In-Vitro-Modelle, die den Einsatz von Zellkulturen und Gewebestücken umfassen. Diese Modelle ermöglichen es, menschliche Zellen oder Gewebe außerhalb des Körpers zu untersuchen und bieten eine ethischere und oftmals sogar präzisere Methode zur Erforschung von Krankheiten und Medikamentenwirkungen. Darüber hinaus werden auch computergestützte In-Silico-Modelle zunehmend genutzt, um komplexe biologische Prozesse zu simulieren und Vorhersagen über die Wirkung von Medikamenten zu treffen, ohne dass dabei Tiere verwendet werden müssen.


Vermittlung von Laboris

Wenn auch du Labortieren die Chance auf ein neues, zweites Leben außerhalb des Labors geben möchtest, melde dich gerne bei uns. Wir übernehmen mehrfach im Jahr Ratten und auch Mäuse aus Laboren in ganz Deutschland und freuen uns, wenn wir tolle Zuhause für unsere Schützlinge finden.

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